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vor 5 Stunden
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"Dann fahren zwei Schulen gegen die Wand" - Eltern in Mainz
Der Unmut der Eltern ist riesig. "Normalerweise stehe ich politisch ja eher links", sagte eine frustrierte Mutter bei einem der letzten Elternabende am Friedrich-Spee-Gymnasium. "Aber was hier abläuft, macht mich noch zur CDU-Wählerin." So wie ihr ergeht es vielen Eltern, die ihre Kinder am einzigen GTS8-Gymnasium (acht Schuljahre bis zum Abitur) der Region haben. Die Pläne der rot-grünen Landesregierung, in Ehrang die gemeinsame Orientierungsstufe mit der neuen Realschule Plus durchzuboxen, stoßen auf massiven Widerstand - bei Elternvertretern und der Schulleitung des Gymnasiums.
"Stand heute haben wir 73 Anmeldungen für das neue Schuljahr - drei Wochen vor Ferienbeginn", sagte Hermann Bous am Montag gegenüber lokalo. "Das ist natürlich viel zu wenig, um einen geregelten Betrieb über die Jahre an zwei Schulen zu gewährleisten." Der Direktor des FSG, der nach diesem Schuljahr in Ruhestand geht, sieht die Entwicklung an seiner Bildungseinrichtung, die er in den vergangenen Jahren zu einem Vorzeigeobjekt der Region machte, mit großer Sorge. "Die Probleme müssen jetzt gelöst werden", fordert Bous, "sonst weiß ich wirklich nicht, wie das weitergehen soll."
Allenthalben wird das FSG für seine konzeptionelle Ausrichtung gelobt. Kaum Unterrichtsausfall, engagierte Lehrerinnen und Lehrer, eine innovative Schulleitung, mannigfaltige Angebote für die Schülerinnen und Schüler über den Unterricht hinaus - das FSG präsentiert sich auf allen Ebenen als moderne Schule mit Ansätzen, die weit über das normale Spektrum einer Bildungseinrichtung hinausgehen. "Es gibt nichts Vergleichbares in der Region", sagt Bous denn auch mit einem gewissen Stolz. Er hat das Gymnasium mit tatkräftiger Unterstützung seines Kollegiums in den letzten Jahren geformt.
Seit aber klar ist, dass vom kommenden Schuljahr an auch die Schüler der ehemaligen Hauptschule, die in der neuen Realschule Plus aufgegangen ist, an der gemeinsamen Orientierungsstufe von Gymnasium und Realschule unterrichtet werden sollen, meiden viele Eltern das Schulzentrum in Ehrang wie der Teufel das Weihwasser. "Die Eltern, die ihre Kinder aufs Gymnasium schicken, wollen, dass diese von der fünften Klasse an gymnasial unterrichtet werden", sagt demnach auch Beate-Ruth Mies, die Elternsprecherin des FSG.
Die Vielzahl der unterschiedlichen Leistungsstufen der jeweiligen Kinder sei mit der konzeptionellen Ausrichtung eines GTS8-Gymnasiums nicht vereinbar, betont Mies. "Damit tut man vor allem den schwachen Schülern keinen Gefallen", sagte sie am Montag gegenüber lokalo. Und um allen Kindern gerecht zu werde, fehle es schlicht an der personellen Ausstattung. "Weil diese Betreuung auch über den rein schulischen Aspekt hinausgehen muss - schließlich spielen hier auch soziale Fragen eine Rolle."
Ministerium: "Prüfung läuft"
Insgesamt drei Schreiben schickten die Trierer Elternvertreter in den letzten Monaten nach Mainz, um so auf die Problematik hinzuweisen. Zwei blieben laut Mies unbeantwortet. Erst auf das dritte reagierte das Bildungsministerium mit einem Gesprächsangebot. Am kommenden Freitag fahren die Elternvertreter des FSG nach Mainz. Ministerin Doris Ahnen (SPD), früher selbst Schülerin des Friedrich-Spee-Gymnasium, wird allerdings nicht zugegen sein. Die Ministerin weilt in Berlin, wie die Pressestelle des Ministeriums am Montag gegenüber lokalo erklärte. Staatssekretär Hans Beckmann wird das Gespräch führen.
"Wir wollen die Sachlage darlegen und erhoffen uns, dass das Ministerium von seinem Plan Abstand nimmt, die Orientierungsstufe weiter bestehen zu lassen", sagte Mies. Mit ihren Kolleginnen und Kollegen sei sie sich dahingehend einig, "dass mit dieser Politik unter Umständen zwei Schulen gegen die Wand gefahren werden - das Gymnasium und die Realschule". Das gelte es zu verhindern. "Und darauf wollen wir bei dem Gespräch in Mainz hinarbeiten", betonte Mies.
Gegenüber lokalo teilte das Ministerium am Montag schriftlich mit, dass die gemeinsame Orientierungsstufe unter Beteiligung des FSG schon lange bestehe - und zwar mit der damaligen Realschule. Wie im Schulstrukturreformgesetz vorgesehen, sei die gemeinsame Orientierungsstufe dann auch auf die neue Schulkombination (Gymnasium und RS plus) übertragen worden. Die "Installation einer gemeinsamen Orientierungsstufe G8GTS/RS plus" habe es aber nie gegeben.
Eine Änderung der jetzigen Konstruktion müsse sorgfältig geprüft werden, um eine dauerhafte und tragfähige Lösung sicherzustellen. Dies habe das Ministerium auch in einer Antwort auf den Brief von Schulelternbeiräten (von Ende April) am 3. Mai betont. An der Entscheidung über die eventuelle Auflösung einer gemeinsamen Orientierungsstufe müsste zudem zwingend eine ganze Reihe von Betroffenen beteiligt werden. So sei ein solcher Schritt unter anderem mitbestimmungspflichtig - entsprechend müssten auch die regionalen Personalräte angehört werden. Dazu habe es im Vorfeld eine ganze Reihe informeller Kontakte gegeben. Die gesamte Prüfung laufe noch.
Bous hofft bei seinem Antrag zur Aufhebung der gemeinsamen Orientierungsstufe ebenso wie Mies auf einen positiven Bescheid des Ministeriums. "Wir drängen ja schon seit Jahren darauf, das zu ändern", sagte er. "Aber jetzt wird es wirklich Zeit." Eine Trierer Initiative, etwa durch den Stadtrat oder Schuldezernentin Angelika Birk, würde er zwar begrüßen. "Aber wir dürfen uns auch nichts vormachen: Die Entscheidung liegt einzig und allein beim Mainzer Ministerium", so Bous. (et)
ZUM KOMMENTAR von Eric Thielen
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Kommentare zu diesem Beitrag
1. Schülermutter
Ein hervorragender Bericht und Kommentar, wie aus der Seele gesprochen. Man muss heutzutage immer aufpassen, was man sagt, damit man nicht gleich als 'politisch nicht korrekt' oder sogar rassistisch beschimpft wird.
2. Schülervater
Der Bericht im Lokalteil des TV am Monatag war schon sehr gut. Dieser Bericht sagt jedoch genau das, was seit über einem Jahr die meisten Eltern am FSG bewegt. Es wäre schade, wenn diese tolle Schule der Politik zum Opfer fallen würde.
3. Ehemaliger Speeler
Als ehemaliger Schüler hoffe ich, dass das FSG eine Zukunft hat. Es wäre sehr bitter, sollte die Politik die Schule aus Unvernunft kaputt machen. Wenn es um die Kinder geht, sollte die Vernunft das Sagen haben und nicht Prigramme von Parteien oder Politikern. Es ist total unvernünftig, dass alle Kinder in den ersten beiden Klassen zusammen sein sollen an einer Schule mit Ganztagesunterricht und 8 Jahren bis zum Abitur.
4. Betroffene
Danke für diesen Beitrag! Man kann nur hoffen, dass dieser Artikel und der Kommentar auch in Mainz gelesen wird und vielleicht doch noch die Vernunft über die Ideologie siegt. Denn solche Schulen mit solcher Qualität verdienen jede Unterstützung ! Also lokalo, bitte weiter so kritisch am Ball bleiben...